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HORST ANTES – Bilder 1963-2013

Horst Antes, Bagdad I, 2010, 30 x 40 cm

Einem Zufall ist es zu verdanken, dass nach 22 Jahren wieder eine Malerei-Ausstellung von Horst Antes in Friedrichshafen zu sehen ist. Bernd Lutze – von 1967 bis 1976 Mitarbeiter von Antes – plante für die Galerie, die selten gezeigten Radierungen des Künstlers vorzustellen. Antes erfuhr davon und bot ihm an, sich aus einer größeren Gruppe von Bildern, die er gerade vom Atelier in der Toskana nach Deutschland bringen ließ, eine Ausstellung zusammenzustellen. Natürlich griff Lutze zu, und so können 14 noch nie ausgestellte Haus-Bilder aus den vergangenen 15 Jahren gezeigt werden. Durch acht zusätzliche Malereien aus dem Zeitraum 1961-1995 gerät die Ausstellung zu einer Retrospektive, in der das Schaffen aus 50 Jahren ausschnitthaft zu sehen ist.
Im Kontext der Diskussion um Abstraktion oder Figuration verknüpfte der Schüler von HAP Grieshaber an der Akademie Karlsruhe – er hatte dort später eine Professur inne – schon früh gestische Farbkompositionen mit figurativen Elementen. Seine Malerei war Teil einer Bewegung neuer Figuration, die damals die Kunstrichtung des Tachismus/Informel der 40er- und 50er-Jahre ablöste. Während der Stipendien der Villa Romana in Florenz 1962 und der Villa Massimo in Rom 1963 begann sich allmählich die sein Frühwerk beherrschende Kopffüßler-Figur herauszubilden. Seit dem Erwerb eines Gehöftes in der Nähe von Castellin in Chianti 1972 und den immer länger werdenden Aufenthalten dort, wurde die Figur – unter dem Einfluss der großen italienischen Malerei – zu immer stärkerer Präsenz entwickelt und in zunehmend präzisere Bildräume gestellt. Der Falkland-Krieg 1982 brachte eine Zäsur: es war Antes nicht mehr möglich, seine Figur zu malen; von ihr blieb nur noch ein Schatten bzw. eine Leerstelle im Bild. Diese Schablonen-Figur in der folgenden Zeit beherrschte die Bilder, bis auch sie verschwand und einer Urform von Haus Platz machte: der Mensch verließ das Bild und war nur noch indirekt durch Attribute vorhanden. Die hermetischen Haus-Figuren – ohne Fenster und Türen – prägten die Jahre danach. Saßen sie anfangs noch in schwarzen Bildgründen, so hellte sich die Palette in den letzten Jahren zunehmend auf.
Horst Antes ist vielfach ausgezeichnet worden. Erwähnt seien nur der UNESCO-Preis für Malerei der Biennale Venedig 1966 und der große Preis der Biennale von Sao Paulo 1991. Er nahm 1964, 1968 und 1977 an der Documenta in Kassel teil und zeigte seine Arbeiten in Einzelausstellungen u.a. 1984 im Solomon R. Guggenheim-Museum New York, 1993 im Haus der Kunst München, 2002 im Sprengel-Museum Hannover (das mit der Stiftung Ursula und Wolf Hermann auch die größte museale Antes-Sammlung beherbergt), 2005 auf einer Tournee durch fünf japanische Museen, 2006 in der Kunsthalle Würth und zuletzt 2013 im Martin-Gropius-Bau Berlin.

Als Begleitveranstaltung findet am Mittwoch, den 13.08.2014 um 20 Uhr der Diavortrag “HORST ANTES.
Die Entstehung seiner Bilder” sowie eine anschließende Führung durch die Ausstellung statt.