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KACHINA –Figuren der Hopi-Indianer (Arizona)

Katchina-Hopi-IndianerKatchina-Tsa'kwayna-Arizona
15. November 2014 – 7. Februar 2015: KACHINA –Figuren der Hopi-Indianer (Arizona)
Eröffnung: Freitag, 14. November um 20 Uhr

Es spricht Volker Volkens, Karlsruhe

Nach einer altindianischen Sage kamen die Kachinam einst aus der Unterwelt auf die Erde. Als den Menschen wohlgesinnte Geister bringen sie Regen und Fruchtbarkeit, tragen Gebete zu den Gottheiten und schützen vor Krankheiten, strafen aber auch schuldig Gewordene der Dorfgemeinschaft. Selbst unsichtbar, finden diese mythischen Wesen bei den Pueblo-Indianern im südwestlichen Nordamerika ihre Verkörperung in jenen maskierten und verkleideten Tänzern, die – ebenfalls Kachina genannt – zwischen der Winter- und Sommer-Sonnenwende bei tagelang dauernden kultischen Festen rituelle Tänze aufführen. Darüber hinaus unterhalten sie die Menschen mit ihren Liedern und bringen den Kindern Dinge zum Essen und andere Geschenke. Nach altem Brauch werden in den Tanzpausen an die Mädchen kleine geschnitzte und bemalte Holzfiguren verteilt, die ein getreues Abbild der einzelnen Tänzer sind. An den Objekten – gleichfalls als Kachina bezeichnet – sollen sie die verschiedenen Typen (insgesamt sind heute 350 verschiedene Kachinam bekannt) kennenlernen und an ihren charakteristischen Merkmalen und Attributen identifizieren können.
Die eigentliche Entdeckung dieser indianischen Kultur geschah durch den Kulturhistoriker Aby Warburg, der 1895/96 die Pueblobewohner besuchte. Seit Mitte der 20er Jahre beschäftigten sich Andrè Breton – der führende Theoretiker des Surrealismus – wie auch der Dichter Paul Eluard mit dem indianischen Denken und stellten eine Identität mit den surrealistischen Vorstellungen fest. Mehr mit Geheimnis ausgestattet, dafür weniger formalästhetisch relevant wie die afrikanische Plastik, sah Breton die Artefakte der Indianerstämme Nordamerikas als richtungsweisend an. So wurden Kachina-Figuren seitdem in Pariser Ausstellungen gezeigt und in surrealistischen Zeitschriften abgebildet. Auch Künstler wie Marcel Duchamp und Max Ernst sammelten die Figuren, z.T. angeregt durch den direkten Kontakt mit den Indianern und ihren Ritualen in der Zeit ihres Exils in den 40er Jahren in den USA. Auch in der Nachkriegszeit blieb das Interesse an den Kachina wach: der spätere französische Kultusminister Andrè Malraux hat sie ebenso gesammelt wie der Maler Karel Appel.
In Deutschland gelangten Anfang des 20.Jahrhunderts Zuni-Kachinam durch eine Schenkung in das Stuttgarter Linden-Museum, und in Emil Noldes Bildern tauchten 1911/12 Kachinam auf, die er im Berliner Völkerkundemuseum für sich entdeckte. Als die größte europäische Kachina – Privatsammlung mit über 700 Exemplaren ist die Studienstiftung Horst Antes anzusehen, die dieser seit den 60er Jahren zusammengetragen hat. Sie wurde in zwei Wanderausstellungen in europäischen Museen 1981/82 und 2001-2003 gezeigt.
Noch nie sind Hopi Kachina-Figuren in einer deutschen Galerie gezeigt worden. Die Ausstellung in der Galerie Lutze mit ca. 60 Figuren ist deshalb ein Novum und damit ein außergewöhnlicher Abschluss des Ausstellungsjahres 2014. Eröffnungsredner am Freitag, den 14.November, um 20 Uhr ist der Sammler Volker Volkens, der wiederholt die Hopis besuchte und aus dessen Besitz ein Teil der Ausstellungsstücke stammt.

Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag 14-19 Uhr, Samstag 10-13 Uhr und nach Vereinbarung