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non profit. Nutzlose Nutzbarkeiten jenseits von Nutzen

Die Ausstellung ›non profit. Nutzlose Nutzbarkeiten jenseits von Nutzen‹ konzentriert sich auf neun Werke von sieben Künstlern. Den thematischen Rahmen für die Ausstellung setzt die, auch die Kunst immer weiter erfassende und von immer mehr Menschen sehr kritisch beobachtete, Verabsolutierung eines Kosten-Nutzen-Denkens. ›non profit‹ stellt dieser eindimensionalen Ökonomisierung ein Angebot entgegen, dass zu einem Nachdenken einlädt. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Die ausgestellten Werke hinterfragen eine Nutzendoktrin mal subtil, mal offensichtlich. Der Text von Barbara Köhler führt Sie in die Ausstellung hinein bzw. heraus. Er spricht über Lücken, Leerstellen, Löcher, Lügen und einiges mehr. Die Malerei von Gregor Gleiwitz ist vor Ort entstanden, ist direkt auf die Wand gemalt. Nur Sie als Besucher der Ausstellung werden dieses Werk sehen, denn bereits Mitte März ist es Geschichte. Die einzelnen Bestandteile des ›Bopparder Kanapee‹ von Alexej Meschtschanow sind ihrer Funktion enthoben. Zuvor waren es Stühle, aber was ist das jetzt? Bei den Installationen von Judith Fegerl fließt Energie. Das kostet und hat normalerweise einen unmittelbaren Nutzen, z.B. Licht, z.B. Wärme. Aber weder leuchten Fegerls ‘Lampen’, noch gibt ihre Batterie Strom ab, noch lässt ihr Draht Strom durch die Wand fließen. Das Matterhorn ist uns allen als Ikone des Alpinismus bekannt. Michael Reisch zeigt uns diese Landschaft ohne einen Menschen, ohne einen vom Menschen gemachten Einbau. Wo sind die ganzen Hütten, Restaurants, Bahnen, Lifte, Skiläufer, die dieVernutzung dieser Hochgebirgsregion zeigen könnten? Wie verändert sich unser Blick auf Natur, wenn sie nur mehr von ästhetischem Interesse ist? Adrian Paci wiederum zeigt uns in seinem Video ›The Column‹ die vollständige Optimierung von Zeit. Ein Marmorblock wird von China nach Paris transportiert. Während der Überfahrt arbeiten chinesische Steinmetze aus dem Block eine dorische Säule. Matthias Wermke und Mischa Leinkauf schließlich werten einen des am intensivsten auf Nutzen hin konstruierten Raums vollständig um, machen ihn leicht, spielen in ihm. Gemeint ist der öffentliche Stadtraum, der uns normalerweise mit Regeln und Verboten in unseren Bewegungen limitiert.

›non profit. Nutzlose Nutzbarkeiten jenseits von Nutzen‹ funktioniert zunächst wie ein additives Nebeneinander einzelner Werke. Die Ausstellungsarchitektur lädt aber dazu ein, sich schweifend durch den Raum zu bewegen, die einzelnen Werke als offenes Netzwerk zu verstehen, dessen Knotenpunkte vom Besucher geknüpft werden können.

Vielleicht erscheint diese Ausstellung für den Besucher nicht selbstverständlich. ›non profit‹ fordert stattdessen von den Besuchern ein aktives Verstehen, braucht ihr Zutun, liefert Sinn nicht frei Haus, sondern möchte zu denken geben. Der französische Philosoph Daniel Tyrandellis hat das präzise formuliert, wenn er schreibt: ›Ausstellen ist Denken im Raum‹ – und man möchte ergänzen: auch der gelungene Ausstellungsbesuch fordert ein Denken im Raum.

Die Kunst kann unvordenkliche Möglichkeiten eröffnen, auch und gerade die außerkünstlerische Wirklichkeit anders wahrzunehmen. Eine Fähigkeit, die uns keinesfalls weiter abhanden kommen sollte, wenn wir nicht die letzte Befähigung zu kritischer Distanz gegenüber Politik und Ökonomie verlieren wollen.