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Michael Sailstorfer “CRASH”

Reaktor (Gent), 2011, Installation View: Kunstverein Friedrichshafen @Paul Silberberg

Kuratoren: Dr. Andrea Jahn, Frank-Thorsten Moll

Seit seiner ersten Einzelausstellung im Lenbachhaus München 2002 sorgt Michael Sailstorfer (*1979 in Velden/Bayern) im internationalen Kunstbetrieb mit Installationen für Furore. Dabei verbindet er vermeintlich unverdächtige Alltagsgegenstände mit schicksalsträchtigen Assoziationen, die er durch kleine Veränderungen der Zusammenhänge erzielt.
Im Rahmen der Kooperation zwischen Kunstverein und Zeppelin Museum bespielt Michael Sailstorfer beide Institutionen und macht dadurch einen inhaltlichen Transfer zwischen beiden Häusern möglich. Insgesamt plant Michael Sailstorfer mehrere neue Arbeiten, die er eigens für Friedrichshafen anfertigt.
Im Wechselausstellungsraum des Zeppelin Museums thematisiert er mit einer spektakulären Skulptur „If I should die in a car crash it was meant to be a sculpture“ (2011) die Dramatik einer drohenden Katastrophe (Abb. 1 und 2). Wie in einem begehbaren Bühnenbild und nur von Theaterscheinwerfern beleuchtet, steht ein Sportwagenmodell mit einer gewaltigen Seilwinde verbunden auf einer Rampe und droht an einer grob gemauerten Wand zerquetscht zu werden. Die spannungsgeladene Szene zeigt das emotionale Band, das wir allgemein an die Technik als einen modernen Fetisch knüpfen. Darüber hinaus unterstreicht sie die These, dass Katastrophen und Technikgeschichte zwangsläufig miteinander verbunden sind, auch wenn wir es normalerweise gewohnt sind die Gefahr auszublenden und zu verharmlosen.
Im Kunstverein konzentriert sich die Ausstellung auf weitere installative Arbeiten, die das Thema der drohenden Katastrophe als künstlerische und philosophische Frage in den Raum stellen. Ein auf der Wand angebrachter, durch Elektromotor angetriebener Autoreifen hinterlässt nicht nur durch den Abrieb seine Spuren im Bewusstsein. Vielmehr durchdringt die Arbeit Zeit ist keine Autobahn unsere Wahrnehmung mit dem penetranten Geruch heiß gelaufenen Gummis. Hörbar und spürbar macht sich auch die Installation Reaktor, die nicht von ungefähr auf die latente Gefahr atomarer Bedrohung anspielt. So vermittelt die Ausstellung in beiden Institutionen den Anspruch, das komplexe Werk Michael Sailstorfers in einer Konzentration zu zeigen, die der formalen und inhaltlichen Dichte seiner Kunst gerecht wird.