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Nezaket Ekici: “Alles fließt”

Ausstellung vom 15. Januar – 21. März 2010. Die Frage nach der eigenen Identität im Hinblick auf Rollenmodelle und Geschlechterkonventionen wurde nirgendwo so vehement gestellt, wie in der Performance-Kunst der 70er Jahre. Nezaket Ekici (* 1970 in Kirsehir/Türkei) knüpft an diese Konzepte an und entwickelt aus der kritischen Beobachtung komplexer gesellschaftlicher Zusammenhänge konzentrierte Bilder, die sie in Videos, Installationen und Performances zum Ausdruck bringt. Ihr eigener Körper steht dabei immer im Mittelpunkt und bildet eine dynamische Verbindung zum Publikum.

Doch im Unterschied zu ihren Vorbildern, wie Marina Abramovic, bei der Nezaket Ekici studierte, konzentrieren sich die Performance-Bilder der jungen Künstlerin nicht allein auf körperliche Grenzüberschreitungen. Bei ihr verbinden sich körperlich-authentische Elemente mit einer ästhetischen Bildsprache, deren Anspruch und Pathos immer auch durch eine unerwartete Komponente konterkariert wird.

In ihrer Einzelausstellung für den Kunstverein Friedrichshafen nimmt Nezaket Ekici Bezug auf den Ort, indem sie Wasser als musikalisches Element und als Körperflüssigkeit, als Naturgewalt und als Lebensraum künstlerisch auslotet. So entfaltet sich in der Performance Nascent (2007) die Schönheit eines Ballkleides auf dem Wasser einer Amsterdamer Gracht – allerdings erst durch den mühevollen Einsatz der Künstlerin, die sich zur Aufgabe macht, den Saum des majestätischen Gewandes mit einer Handpumpe Stück für Stück aufzupumpen. Dabei geht es auch darum, als lebende Skulptur sichtbar zu machen, dass die Produktion von Kunst Arbeit ist und der schöne Schein eine ausgetüftelte Konstruktion. Ekicis Performance Fountain (2003), bei der die Künstlerin mit einem Kleid aus 58, mit Wasser gefüllten Urinbeuteln auftritt, erinnert an westliche Springbrunnen-Skulpturen. Die wasserspendende Funktion, die in der abendländischen Kunstgeschichte männlich besetzt ist, wird hier von einem weiblichen Körper übernommen, dessen Geschlechtlichkeit durch die Aktion der Performerin ständig hinterfragt wird.

Freitag, 15. Januar 2010, 21.45 Uhr Performance der Künstlerin