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MOLAS – Die Kunst der Kuna, San Blas / Panama

Mola mit vier Augen

Mola – hinter diesem geheimnisvollem Wort verbirgt sich die meisterhafte Textilkunst der Kuna Indianerinnen auf der Inselgruppe San Blas vor der Karibikküste Panamas. Molas sind Bilder, bestehend aus mehreren Lagen farbigen Stoffes, welche in einer speziellen Applikationstechnik von Hand genäht und als Vorder- und Rückseite ihrer traditionellen Blusen getragen werden. Der Ursprung der Mola liegt in der Übertragung der einstigen Körperbemalung der Kuna auf Kleiderstoffe. Bei allen Naturvölkern hat die Körperbemalung nicht bloß dekorative Zwecke; ihre wesentliche Funktion liegt im Schutz des Trägers vor bösen Geistern. Daneben kann sie für den Eingeweihten Hinweise auf den jeweiligen Status oder die persönlichen Erlebnisse eines Einzelnen geben. Die Kuna-Näherinnen können damit aber auch Geschichten erzählen, die von ihnen immer wieder abgewandelt werden. Die ältesten heute noch existierenden Molas lassen sich bis in die 1920er Jahre zurück datieren. Die klimatischen Bedingungen auf den Inseln, die das textile Gewebe rasch altern lassen, sowie die Tatsache, dass Molas traditionell zur ganz normalen Bekleidung der Frauen gehören, und damit allen alltäglichen Belastungen ausgesetzt werden, sind Gründe für die Seltenheit alter Molas. Solche Raritäten haben nicht auf den Inseln selbst sondern ausschließlich in den amerikanischen und europäischen Sammlungen die Jahrzehnte überdauert. Die bedeutende Sammlung des Britisch Museum in London geht auf ein Konvolut zurück, welches 1922 von der englischen Abenteuerin Lady Richmond Brown bei den Kuna erworben wurde.
Der Kartograph und Ethnologe Kit S. Kapp – aufgewachsen in Ohio – bereiste in den 1960er Jahren zahlreiche Male die Region der Kuna. Er interessierte sich vor allem für die ästhetischen Qualitäten der Molas und katalogisierte verschiedene Merkmale wie die Anzahl der verschiedenen Motive, die Verwendung von Farben und die Entwicklung von Techniken. Sein Buch “Mola Art from the San Blas Islands“ (1972) ist noch immer ein Standartwerk der Literatur über die Molas. Ebenfalls in den 60er Jahren entstand die bedeutende Sammlung von Ann Parker und Avon Neal, denen wir die Publikation “Molas. Folk Art of the Cuna Indiens“ (1977) verdanken.
Stücke aus beiden Sammlungen sind u.a. in der Ausstellung der Galerie Lutze zu finden. Zu verdanken ist das dem Sammler Volker Volkens. Er sah Mitte der 90er Jahre im Atelier von Horst Antes – einem engagierten Sammler von Ethnokunst – erstmals Molas. Seit dieser Zeit haben ihn diese Stoffbilder fasziniert. Teile seiner heute etwa 1000 Stücke umfassenden Sammlung – wohl die umfangreichste Mola-Sammlung in Privatbesitz in Europa – waren gerade in einer Ausstellung der Kunsthalle Göppingen zu sehen.