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SIGMAR POLKE – Editionen 1967-2002

Sigmr Polke, 2002

Seit langem gehören die Deutschen Gerhard Richter und Sigmar Polke zu den wichtigsten Künstlern der Gegenwart. Originale von Richter zeigte die Galerie zu seinem 80. Geburtstag 2011/2012, mit Editionen von Polke beginnt Bernd Lutze das 35. Jahr des Bestehens der Galerie.
Polke wurde 1941 in Schlesien geboren, machte in Düsseldorf eine Lehre als Glasmaler – zur Glasmalerei kam er noch vor seinem Tod 2010 mit den 5 Fenstern und 7 Achatscheiben für das Zürcher Großmünster zurück – und studierte 1961-67 an der Düsseldorfer Kunstakademie. Er hatte Einzelausstellungen in den wichtigsten internationalen Institutionen bis hin zum New Yorker Museum of Modern Art 1999. Seit 1972 war er immer wieder auf der Documenta in Kassel vertreten, 1986 erhielt er anlässlich der Biennale in Venedig den “Goldenen Löwen“. 2002 wurde er in Tokio mit dem hochdotiertem Premium Imperiale, dem “Nobelpreis der Künste“ ausgezeichnet.
Immer stellte er sich gegen das, was angeblich das Richtige war. So wendete er sich in der Grafik gegen das Muss der originalen Künstlersignatur und der makellosen Büttenpapiere, indem er andere signieren ließ und Papiere zerknüllte oder auf karierten, linierten oder einfachen Schreibmaschinen-Papieren arbeitete. Nicht die herkömmlichen grafischen Techniken benützte er, sondern Reproduktionsverfahren wie Fotokopie und Offsetdruck waren seine künstlerischen Techniken. Dabei verzog er die Vorlagen auf dem Kopierer im Augenblick der Belichtung zu geheimnisvollen Erscheinungen und veränderte die Raster der Reproduktion so, dass die Bedeutungen innerhalb der Bilder sich verschoben. Es ging ihm um die Kunst des Experimentierens, des Verarbeitens von Bildern, von bilderzeugenden Medien und nicht zuletzt um die zahlreichen ironischen Spielarten seines Tuns. Polke 1966: “Das Raster ist für mich ein System, ein Prinzip, eine Methode, Struktur. Es zerlegt, zerstreut, ordnet und macht alles gleich… So verstanden, glaube ich, dass mein verwendetes Raster schon eine ganz bestimmte Sicht aufzeigt, eine allgemeine Situation und Interpretation ist: nämlich Struktur meiner Zeit, Struktur einer Gesellschafts-ordnung, einer Kultur, genormt, aufgeteilt, eingeteilt, gruppiert, spezialisiert.“
Die Ausstellung zeigt einige seltene Arbeiten, u.a. ein Blatt von 1973, von dem wohl nur 2 Exemplare vorkommen, den Siebdruck “Kulturschablone“ von 1998 in Form von 70 Unikaten, den Farbsiebdruck “S.H. – oder wann zählen die Punkte?“ in unterschiedlichen Farbstellungen auf unterschiedlich bedruckten Stoffen über Keilrahmen und eine wandfüllende “Grafik“ von 2002 im Format 130×220 cm, von der lediglich 12 Exemplare existieren.